CBD Einsatz bei Sklerose

Kann CBD als wirksames Mittel bei Sklerose eingesetzt werden?

Unter dem Begriff Sklerose, ist eine krankhafte Verhärtung von Geweben und Organen zu verstehen. Die Folge daraus, sind chronische Schmerzen, Schubweise im extremen Ausmaß und Funktionsstörung bis hin zum Ausfall von Skelettmuskulatur und/oder Organen. Ausgelöst wird eine Sklerose zumeist durch Entzündungen und Durchblutungsstörungen. Die hier benannten Formen der multiplen Sklerose (MS) und der Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sind autoimmun bedingt. Dabei finden bei MS Anlagerungen an der weißen Substanz des Zentralnervensystems statt. Diese sogenannten Plaques führen zur bereits angesprochenen Verhärtung und zum teilweisen oder völligen Ausfall von Geweben und Organen im Organismus. Bei ALS handelt es sich um eine degenerative – durch Entartung hervorgerufene – Schädigung der Nervenzellen. Die Folge sind in Bewegungs-, Schluck- und Atemstörungen bis hin zu reversiblen (dauerhaften und nicht heilbaren) Lähmungen inklusive der Atemmuskulatur.

Ansätze zu Studien mit CBD

1) Multiple Sklerose

MS ist eine Erkrankung, die ein breites Spektrum an Symptomen aufweist. Dabei für den eventuellen Einsatz von CBD zu betrachten sind jedoch vor allem die Spastiken, ausgelöst durch Beläge der weißen Substanz des Zentralnervensystems, Schlafstörungen, krankheitsbedingt ausgelöste Angstzustände und Schmerzen, sowohl durch die bereits angesprochenen Spastiken als auch durch Reizfehlleitungen verursacht.

Kann CBD Spastiken lindern?

Eine breit angelegte Studie, die das Medikament Sativex(R) an etwa 1000 MS-Patienten, beschäftigte sich umfänglich mit der Thematik der mittelschweren und schweren Spastizität.
Das dabei verwendete Medikament, welches als Spray an die Mundschleimhaut in Sprayform verabreicht wird, ist dabei ein reines aus Cannabinoiden bestehendes Mittel, mit einem Mischungsverhältnis von THC (9-Delta-Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol).
Mittels medizinisch angewandter Parameter wurde dabei besonders die Auswirkung von THC:CBD auf den Schweregrad der Spastiken gelegt.
Die Ergebnisse zeigen dabei deutliche Anzeichen, die eine Wirksamkeit von CBD bestätigen. So konnte signifikant festgestellt werden, dass die Anzahl der Krämpfe pro Tag deutlich reduziert werden konnten – und zwar durchschnittlich um 50-60%.
Des Weiteren kann der Studie entnommen werden, dass die Wahrnehmung der Intensität der Spasmen in den meisten Fällen positiv ausfiel. So gab eine Großzahl der Studienteilnehmer an, dass der Schweregrad der Spastiken als milder wahrgenommen würde – auch wenn die Spastizität nachweislich nicht direkt verringert wurde.
Abschließend lässt sich die Frage, ob Spastiken direkt mittels CBD-Gabe gelindert werden können, mit Ja beantwortet werde. Durch starke Verringerung der täglichen Krampfschübe wird deutlich an Lebensqualität gewonnen. Der Effekt der gedämpften Wahrnehmung der Spastizität sorgt zusätzlich für eine Verbesserung des Allgemeinbefindens von MS-Patienten.

CBD und Schmerzen bei MS

Die bereits erwähnten Schmerzen durch Krämpfe wurden bereits im oberen Abschnitt besprochen. Jedoch sind auch chronische Schmerzen durch Verspannungen, Schutzhaltungen und als Nachwirkungen der Spastiken eine Symptomatik der Multiplen Sklerose. Zusätzliche Anfälligkeit für Entzündungen in Gewebe und an Gelenken, verstärken die Schmerzsymptomatik zusätzlich.
Hier kann reines CBD auch ohne Mischung mit THC – wie bei der Spastiktherapie verwendet – unterstützend zur allgemeinen Medikation wirken.
Cannabidiol wirkt hierbei entzündungshemmend und entspannend. Die dabei angesetzten Dosen sind individuell festzulegen und können durch starkes variieren nicht pauschal benannt werden. Allein der entspannende Effekt durch direkte Einwirkung von CBD am Endocannabinoid-System kann eine verringerte Schmerzwahrnehmung hervorrufen. Damit einhergehend ist eine gesteigerte Mobilität zu beobachten.
Des Weiteren ist seit einiger Zeit bekannt, dass eine Gabe von CBD (reines Cannabidiol oder enthalten in CBD-Spektrum-Ölen) die Dosis anderer Schmerzmittel reduzieren kann. So hat es direkten Einfluss bei der Einnahme von Opiaten zur Schmerztherapie – die Wirkung wird unter CBD verstärkt, was eine Verringerung der Dosierung zur Folge hat.

Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass schmerzverursachende Reize wie Kälte bei MS durch die Gabe von Cannabidiol reduziert werden kann. Die damit verbundenen Missempfindungen wurden dabei wesentlich schwächer wahrgenommen, was eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität zur Folge hat.

Schlafstörungen und krankheitsbedingte Angstzustände

Neben rein körperlichen Symptomen, sind auch psychosomatische Begleiterscheinungen der Multiplen Sklerose nicht außer Acht zu lassen.
Sowohl bei Angstzuständen als auch bei einem gestörten Schlafrhythmus – meist ausgelöst durch Schwierigkeiten beim Einschlafen, als auch beim Durchschlafen – können mittels CBD positiv beeinflusst werden.
Durch den Effekt der Entspannung, wird das Schlafverhalten verbessert, Einschlafen wird erleichtert und die durchgeschlafenen Nächte steigen in ihrer Frequenz.
Ängste und Panikattacken, die eine häufige Begleiterscheinung darstellen, werden mittels Cannbidiol ebenfalls gemildert, was eine erhebliche Steigerung in Lebensqualität für den Patienten zur Folge hat.

2) Amyotrophe Lateralsklerose

ALS-Patienten leiden vor allem unter den Störungen durch die Degeneration von motorisch relevanten Nervenzellen. Dabei wird in zwei Formen unterschieden:
Tritt die Schädigung vor allem an den ersten motorischen Neuronen auf (auch als Motoneurone bezeichnet), die sich in der motorischen Hirnrinde befinden, führt dies vor allem zu einem erhöhten Muskeltonus. Daraus ergibt sich die Symptomatik spastischer Lähmung.
Die zweite Form betrifft die sogenannten zweiten Motoneurone, die an den Vorderhornzellen des Rückenmarks zu finden sind. Die Fortsätze dieser, als Axone bezeichnet, führen durch die Erkrankung direkt an der Skelettmuskulatur zu zunehmender Muskelschwäche mit einhergehendem Muskelschwund (Amyotrophie). Somit sind mit zunehmender Krankheitsdauer eingeschränkte Koordinationsfähigkeit, Schwäche in Händen und Beinen, Sprech-, Schluck- und Atemstörungen zu rechnen.

Cannabinoide bei ALS – keine eindeutigen Studien

Auf dem Gebiet der therapeutischen Anwendung von Cannabinoiden wie Cannabidiol (CBD) sind bis dato keine eindeutigen und Aufschluss gebenden Studien bekannt.
Jedoch werden Ansätze für neue Therapiemöglichkeiten das Endocannabinoid-System (ECS) einbeziehend gesucht, die wohl mit weiterführenden Studien neue Wege aufzeigen könnten.
So wird bereits jetzt ein Zusammenhang zwischen ECS – vor allem Rezeptor CB2 – und ALS gestellt.
Erste größere Forschungen finden sich mitunter hier.
Dabei wird vor allem der Bedeutung von Entzündungsmediatoren bei Störungen des homöostatischen Gleichgewichts des Zentralnervensystems in den Fokus gestellt. Dass diese, auch wenn ALS bis Dato nicht eindeutig in seiner Ursache definiert werden kann, eine entscheidende Rolle spielen, steht dabei nahezu außer Frage.
Die Beeinflussung dieser Mediatoren mittels Ansatz einer Therapie am ECS Rezeptor CB2 scheint neue Spekulationen zuzulassen und treibt die Forschung und Durchführung diesbezüglicher Studien weiter voran.

Einsatz von CBD bei ALS, besonders in der palliativmedizinischen Betreuung

Bisher scheint Cannabidiol und THC vor allem in der Palliativmedizin bei ALS eine tragende Rolle zu spielen. Hier kommt zumeist eine 1:1 Kombination aus THC:CDB zum Einsatz, die den Leidensweg im fortgeschrittenen Stadium erleichtern und abmildern soll, um auch unter intensiver Therapie ein gewisses Maß an Lebensqualität zu ermöglichen.

Schmerztherapie mit CBD als unterstützende Therapie

Wie bereits benannt, ist die entspannende, entzündungshemmende und schmerzreduzierende Wirkung von CBD nicht von der Hand zu weisen. So kommt es auch im palliativen Therapierahmen zum Einsatz. Es hilft dabei, chronische Schmerzen zu dämpfen, lässt eine geringere Dosierung anderer Schmerzmittel zu, da es die Wirkung verstärkt. Besonders in Kombinationsgabe mit Morphium lassen sich dafür eindeutige Belege finden.
Zudem bewirkt die entspannende Wirkung eine leichte Linderung auf den chronischen Schmerz selbst, welcher mit der durch muskulären Hypertonus einhergehenden Lähmung bestimmter Körperabschnitte einhergeht.

Cannabidiol zur Appetitsteigerung

Palliativmedizinisch betreute Patienten, darunter auch ALS-Patienten im Endstadium ihrer Erkrankung, weisen eine signifikant hohe Appetitlosigkeit auf. CBD kann hier, ohne auf das Verdauungssystem negativen Einfluss zu nehmen, zur Besserung führen. Besonders Patienten, die zur oralen Nahrungsaufnahme (teil-)fähig sind, kann damit geholfen werden.
Des Weiteren kann der Einsatz von CBD und THC als Kombination Symptome wie Übelkeit und Schwindel eindämmen, die sowohl krankheitsbedingt als auch eine Nebenwirkung anderer verabreichter Medikamente sein können.

CBD und seine Wirkungen aufs Atmungssystem

Ein weiterer Forschungsansatz bezieht sich auf den Einfluss von CBD und THC auf das respiratorische und kardiovaskuläre System. Eine große Studie an Ratten diesbezüglich findet sich hier.
Hierbei stehen mögliche positive Einflüsse, die einen palliativmedizinischen Nutzen aufzeigen könnten noch aus. Jedoch wurde festgestellt, dass Cannabinoide eindeutige Auswirkungen sowohl auf die Atmung, als auch aufs Herz-Kreislauf-System besitzen, indem sie an den Rezeptoren des ECS CB1 und CB2 wirken. Besonders der leichte Anstieg des Atemvolumens und der leichte Abfall des Blutdrucks, sind hierbei medizinisch relevant.

Zusammenfassung

Bei neurologischen Krankheitsbildern wie Multipler Sklerose und Amyotropher Lateralsklerose finden sich einige therapeutische Ansatzgebiete für den Einsatz von CBD, die bereits erforscht oder gar schon angewendet werden.
Wohl häufigstes Einsatzgebiet ist und bleibt die Schmerztherapie. Der Einsatz von CBD – meist in Kombination mit THC – führt hier zu einer deutlichen Verringerung des Schmerzempfindens. Dies begründet sich zum einen in der schmerzlindernden Wirkweise von CBD selbst, als auch in der Effektverstärkung anderer Medikamente wie Morphium. Zudem sorgt der entspannende Effekt für eine Reduktion chronischer Schmerzen durch spasmusbedingte Verspannungen.
Zusätzlich konnte bereits festgestellt werden, dass CBD besonders bei MS einen hohen Wert in der Therapie der Spastizität der Erkrankung besitzt. So sank die Rate der täglichen Krämpfe deutlich unter Gabe einer entsprechenden CBD:THC-Medikation.

Überempfindlichkeiten bei Reizen wie Kälte, die bei MS ein häufig auftretendes Symptom darstellen, können mittels CBD ebenfalls reduziert werden.

Bei der Therapie von ALS stehen genaue Studien aus. Jedoch wird bereits jetzt deutlich, dass auch auf diesem Gebiet Fortschritte zu erwarten sind, da das Endocannabinoid-System nachweislichen Einfluss auf die entzündlichen Degenerationen der Nervenzellen besitzt.

Im psychosomatischen Bereich kann CBD sinnvolle Ergänzung bei MS und ALS sein. Durch deutliche Milderung von Angstzuständen ist hier eine gute therapieergänzende Möglichkeit zu sehen.
Gleiches gilt für Schlafprobleme, die bei beiden Erkrankungen auftreten können. Durch die entspannende Wirkung kann sowohl das Ein- als auch Durchschlafen erleichtert werden.
Zusätzlich wirken Präparate in 1:1 Mischung von CBD und THC appetitsteigernd. Ein Aspekt der vor allem im palliativmedizinischen Spektrum bei fortgeschrittenen Krankheitsbildern eine wichtige Komponente bilden kann. Durch Verringerung von Übelkeit und Schwindel können zusätzlich Nebenwirkungen anderer Medikamente reduziert und das allgemeine Wohlbefinden des Patienten gesteigert werden.

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